Sie sind hier:  Krimi - Dinner - TheaterÜber unsPresseartikelPresseartikel zu "Gebot oder Tod!?" / Wickrath; Niersbote; 02.03.07

Mord à la Carte: Mörderische (Gaumen-) Freuden

Letzten Freitag schrieben wir das Jahr 1969 im Restaurant Herrenhaus im Schloss Wickrath, in das kurzerhand die Gemächer von Lady und Lord Salisbury aus Cornwall verlagert wurden. Die beiden exzentrischen Angehörigen der High Society (Pferdezüchter, Rennstallbesitzer und Kunstliebhaberin) hatten 42 Gäste zur Auktion samt Menü geladen, So wurden am Entree aus Müllers wie Meiers gut betuchte Lords, liebliche Komtessen und einflussreiche Minister - kurz, die Prominenz Europas. Krimi, Theater und Kulinarisches standen auf dem Programm, präsentiert von Mord à la Carte unter dem Titel "Gebot oder Tod!?". Hierbei durften sich die Teilnehmer auf Spannung à la Agatha Christie samt feudalem 4-Gänge-Menü freuen und den Alltag für vier amüsante Stunden hinter sich lassen, um in die seichte Welt von Adel und der dazu gehörigen Intrigen abzutauchen. Lady Salisbury (Angela Fischer), laut, schillernd und gleichsam imposant, ließ es sich nicht nehmen, jeden überschwänglich zu begrüßen, Hier wurde zum Bestseller gratuliert, dort an die letzte Zusammenkunft in der Mailänder Scala erinnert. Smalltalk in Formvollendung, auf den die Gäste als Teil der Handlung sich einlassen konnten, wenn sie wollten- und schlagfertig genug waren. Anlass der Einladung war eine Gemäldeauktion unter Leitung von Leonard Archer (Jens Hajek), renommierter wie arroganter Kunstprofessor der Sorbonne und heimlicher Liebhaber von Harriet (Beatrix Thiel), hübscher, aber schräger Tochter des Hauses. Macht sich immer gut Der Erlös der Versteigerung sollte Brit-Art, einer Stiftung zur Förderung junger Künstler, zu Gute kommen. Um das Wohl der illustren Gesellschaft kümmerte sich der etwas schrullige Butler Howard (Gerd Rustenbeck), stets um Fassung bemüht und von unerschütterlicher Gewissenhaftigkeit. Was auch er nicht verhindern konnte: Zur Versteigerung kam es vorerst nicht, denn der Abend nahm eine tragische Wende. Lord Salisbury (Guido Grollmann), irgendwie schnodderig, auf den eigenen Vorteil bedacht und damit nicht wirklich Sympathieträger, schied aus dem Leben - vergiftet, wie der - zuvor aus dem Publikum gecastete - Arzt vermutete. "Schade um das schöne Essen", befanden die 42 Gäste und entschlossen sich zu speisen, während die Akteure sich gegenseitig verdächtigten und deren Fassade nach und nach bröckelte. Da hatte offenbar ein Jeder seine eigene Leiche im Keller! Selbst der treue Howard erschien plötzlich in einem anderen Licht. Der Mörder konnte quasi jeder gewesen sein... auch Karel Libussa (ebenfalls Guido Grollmann), ein aus Prag stammender Taxifahrer, der mit seiner naivgrobschlächtigen Art zunächst für Befremdung sorgte. Die zu dezenter Live-Piano-Musik dinierenden "Promis" durften bis zur letzten Minute gespannt sein und auch selbst an der Auflösung des
Karel Libussa (Mitte) diskutiert unter vollem Körpereinsatz mit Professor Archer
Sehen diese Herrschaften Wie Mörder aus? (v. l. n. r.) Tochter Harriet, Ladv Salisbury, Professor Archer und Butler Howard.
Falles mitwirken, indem sie den ihrer Meinung nach in Frage kommenden Täter samt Motiv auf einen Wettschein schrieben. Schönes Bonbon: Aus den richtigen Lösungen wurde am Ende der Veranstaltung der Gewinner eines Abendessens für zwei Personen ermittelt. Ja, und wer war nun der Mörder? Pardon, natürlich wird an dieser Stelle nicht verraten, wer den Lord auf dem Gewissen hat! Gesagt sei, dass der mörderische Abend ein rundes Gefühl von "das war mal etwas ganz anderes" hinterließ, wie auch die Schwestern Anja Lohmann und Dörte Pullen aus Korschenbroich und Büttgen amüsiert bestätigen: "Toll, es hat uns sehr gut gefallen! Wir würden auf jeden Fall wieder herkommen, wenn einmal eine andere Handlung gezeigt wird." Diese ist bereits in Vorbereitung, wie das nachfolgende Interview zeigt. Gerd Rustenbeck, Kopf von Mord à la Carte und Verfasser von "Gebot oder Tod!?", macht seit 15 Jahren Improvisationstheater. Der Niersbote hat den in Bonn lebenden Schauspieler zu seinem Konzept "Krimi, Theater, Kulinarisches" befragt. NB: Was genau ist Mord à la Carte und seit wann gibt es die Veranstaltung? Rustenbeck: Angefangen haben wir 2005. Man kann von einer Symbiose aus vier Künsten sprechen: Musik, Kochkunst, bildende und darstellende Kunst. NB: Arbeiten Sie mit einem festen Stamm? Rustenbeck: Das Ensemble besteht aus etwa zehn Kollegen und Freunden. Ich arbeite mit freiberuflichen Schauspielern, für die meisten Rollen gibt es eine Doppelbesetzung. NB: Wie sind Sie auf Wickrath als Schauplatz gekommen? Rustenbeck: Meine Partnerin kommt aus Hückelhoven, sie hat mir den Tipp gegeben. Wickrath ist unsere intimste Lokalität. Das hat einen besonderen Reiz. In Bonn. Aachen oder Köln, wo wir auch auftreten, fassen die Räumlichkeiten wesentlich mehr Gäste, bis zu 150. NB: Wird es wechselnde Inhalte geben? Rustenbeck: Ab April wird es wahrscheinlich eine neue Thematik geben. Die Ideen gehen mir jedenfalls nicht aus. Allerdings wollen wir im lockerspritzigen Boulevardtheaterbereich bleiben, Info: Im Preis von 59 Euro sind Theater, ein 4-Gänge-Meniü (wahlweise vegetarisch) sowie ein Aperitifenthalten, Termine 1md Infos gibt es im Internet unter www.mordalacarte.de oder unter der Telefonnummer 0228/368 23 32. Schon mal vormerken: In Wickrath wird es ab Herbst weitere Mord à la Carte-Termine geben. [Text u. Fotos (2):S. W.]